[toc heading_levels=“2,3″]

Lass mich zunächst mit einer Frage starten:

Mal ganz ehrlich, welche Tradingphilosophie verfolgst du im Augenblick?

  1. Trading soll in erster Linie Spaß machen. Ich liebe den Nervenkitzel und das Risiko.

  2. Der Betrag, den ich riskiere, macht nur einen unbedeutenden Bruchteil meines Nettovermögens aus und kann problemlos verschmerzt werden.

  3. Mein Hauptziel an der Börse besteht darin, Geld zu verdienen. Ich möchte ein zuverlässiges Einkommen generieren.

Live is a Rollercoaster - Das Leben ist eine Achterbahn, aber es macht Spaß

Sollte Aussage 1 auf dich zutreffen, wünsche ich dir weiterhin viel Spaß, und für Aussage 2 kann man dich nur beneiden. Tendierst du jedoch zur dritten Aussage, ist für dich ein organisierter Handelsplan unerlässlich. Diese Behauptung ist keine bloße Plattitüde. Schau dir erfolgreiche Trader, und du wirst zweifellos feststellen, dass sie alle einen klar definierten, disziplinierten Handelsansatz verfolgen.

Die folgende Beitragsreihe will dir in sieben Schritten allgemeine Richtlinien für die Erstellung eines organisierten Handelsplans aufzeigen.

■ Schritt 1: Definiere deine Handelsstrategie

Der Faktor Zeit

Wieviel Zeit kannst oder willst du für dein Trading aufwenden? Bist du (noch) berufstätig, wird es hier Einschränkungen geben. Sei dir darüber im Klaren, dass du bestimmte Formen des Tradings von vorn herein ausschließen musst. Extrem zeitintensive Ansätze (Scalping, Daytrading) fallen weg – du hast einfach nicht die Zeit, stundenlang am Screen zitternde Kurslinien zu verfolgen, um dann zu reagieren und minutenschnell Trades abzuschließen.

Auch bestimmte Märkte sind nicht handelbar. Wenn sich die Haupthandelszeit der Börse mit deiner Arbeitszeit überschneidet, hast du ein Problem… (natürlich sind mittlerweile alle Börsenplätze nur elektronisch handelbar, d.h. es gibt im Grund fast keinen “Handelsschluss” mehr. Aber außerhalb dieser sog. “Haupthandelszeiten” sinkt die Aktivität und somit die Liquidität des Markts oft deutlich ab – mit Folgen für dein Trading).

Hieraus resultiert also deine allererste, grundlegende Überlegung:

Welchen Handelsstil will ich betreiben? 

Und hier wird in vielen Fällen eine Konzentration auf weniger zeitraubendes Swingtrading notwendig sein.

Der psychologische Faktor

Wie planst du deine Handelsentscheidungen?

  • Du liest Börsenbriefe, verfolgst diverse Blogs und schaust Wirtschaftssendungen im TV.

  • Du verlässt dich auf Tipps “aus gut informierten Kreisen”?

  • Du beobachtest den Markt. Wenn du das Gefühl hast, jetzt wäre der richtige Zeitpunkt gekommen, einzusteigen, bist du dabei?

Möglicherweise machst du auf diese Art und Weise von Zeit zu Zeit einen recht guten Trade, eine dauerhaft profitable Handelsstrategie schaut jedoch anders aus.

Eine gewinnbringende Strategie basiert auf zwei Säulen: der fundamentalen Analyse der Märkte und der technischen Analyse. Beide Säulen müssen zu einer sinnvollen Kombination zusammengeführt werden. Obwohl der Streit der “Fundamentalisten” und der “Techniker” schon so alt ist wie das Trading selbst, lässt sich behaupten: weder der eine noch der andere Ansatz kann für sich alleine bestehen und zu konstant erfolgreichen Ergebnissen führen.

Zu welcher davon fühlst du dich eher hingezogen? Bist du mehr der Chart-Analytiker oder eher der Markttheoretiker? Je spezifischer du deine Handelsstrategie ausarbeitest, desto besser. Schau dir die Märkte, die du handeln willst genau an. Was bewegt diese Märkte, was beeinflusst ihre Preisentwicklung. Entscheide, welche Indikatoren dir hinreichende Informationen bezüglich ihrer Kursverläufe aufzeigen. Es gibt Märkte. die stärker auf fundamentale Daten reagieren, in anderen führ ein pragmatisch-technischer Ansatz eher zum Erfolg. Kein Markt ist wie der andere. Und damit kommen wir zum zweiten Schritt:

■ Schritt 2: Wähle deine zu handelnden Märkte

Die Zahl der Märkte, die von dir überwacht und gehandelt werden, können durch zeitliche Beschränkungen und verfügbare Mittel erheblich eingeschränkt sein. Bei der Auswahl dieser Märkte solltest du drei Faktoren berücksichtigen:

1. Eignet sich ein Markt überhaupt für meinen Handelsansatz

Wähle diejenigen Märkte aus, die angesichts deines geplanten Ansatzes das beste Potenzial für eine profitable Leistung haben. Eine solche Entscheidung kann z.B. auf der Grundlage vergangener Handelserfahrungen oder historischer Tests deiner Handelsstrategie getroffen werden.

2. Diversifizierung

Diversifizierung stellt eines der wirksamsten Mittel zur Risikominderung dar. Die Diversifizierung kann durch die Wahl von Märkten, die nicht miteinander korrelieren, verbessert werden. Beachte die Korrelationen der einzelnen Märkte. Wie ist ein Markt von einem anderen abhängig? Wenn Soja im Preis stark anzieht, ist nicht zu erwarten, dass Sojamehl oder Sojaöl deutliche Preisverluste erzielt.

Durch Berücksichtigung der Korrelationen vermeidest du sog. “Klumpenrisiko”. Die Korrelation diverser Futuresmärkte kannst du auf verschieden Seiten im Internet kontrollieren. Eine sehr nützliche Seite: MRCI Online . Hier kannst du die Marktkorrelationen auf Basis unterschiedlicher Zeiträume abrufen.

Inter-Market Correlations - Screenshot MRCI

3. Volatilität

Vor allem als Händler mit begrenzten Mitteln solltest du extrem volatile Märkte vermeiden, da die Aufnahme solcher Märkte in dein Portfolio die Gesamtzahl der Märkte, die gehandelt werden können, stark einschränken wird. Auch hier wirst du mit Hilfe historischer Tests erkennen, welche Märkte “ruhiger” und welche extrem volatil sind.

■ Schritt 3: Entwickle einen Risiko-Kontrollplan

Die rigide Kontrolle von Verlusten ist mit Abstand die kritischste Voraussetzung für einen erfolgreichen Handel. Dein Risiko-Kontrollplan, meistens als “Risiko- und Moneymanagement” bezeichnet, entscheidet darüber, ob du auf Dauer erfolgreich bist oder “mit Pauken und Trompeten untergehst”.

Hierbei ist es wichtig, zu realisieren:

Verluste gehören im Trading dazu. So wie Niederlagen im Sport. Das KO – Kriterium allerdings ist die Höhe und die Auswirkung eines Verlusts. Und natürlich gibt es tatsächlich Verluste, die man vornherein hätte vermeiden können: indem man den Trade gar nicht erst eingegangen wäre.

Bei der Erstellung deines Risiko- Kontrollplans solltest du folgende Kriterien beachten:

1. Setze dir eine Verlust-Obergrenze

Eine kleine Rechenaufgabe: Du startest ein Spiel (irgendeines, bei dem du Geld gewinnen oder verlieren kannst) mit 100€. Du verlierst 25.- , also 25%. Wieviel Prozent musst du jetzt gewinnen, um wieder auf deinem Anfangsbestand zu sein?

Wer in der Schule beim Prozentrechnen mal kurz austreten war, würde jetzt sagen: “na, 25%”.

Falsch! Du brauchst jetzt einen Gewinn von 33%, um wieder auf deinen Ausgangsbetrag zu kommen. Warum?

Da Verluste keine Einzelfälle sein können, solltest du dir auch bewusst sein, dass du durchaus mehrere Verlusttrades nach einander durchlaufen kannst. Jeder Verlusttrade macht es schwerer, wieder auf “Break-Even” zurück zu gelangen. Setze dir deshalb eine Obergrenze für deinen zu erwartenden Verlust pro Trade.

Die Tradingliteratur spricht hier oft von 2% pro Trade. Startest du im Futurestrading mit einem Konto von 50.000$, wären das 1.000$, die du riskieren kannst. Nicht gerade viel, oder? Aber durchaus überlebensnotwendig!

Lege dein maximales Risiko pro Trade fest

2. Entwickle eine Stopp-Loss-Strategie

Du musst immer wissen, wo du aussteigst, bevor du einsteigst. Die Bedeutung dieser Regel kann nicht genug betont werden.

Ohne einen vorher festgelegten Ausstiegspunkt wirst du anfällig dafür, zu zögern, wenn dein Trade gegen dich läuft (“Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!”). Genau wie kein Formel 1 – Pilot sein Fahrzeug ohne feuerfeste Wäsche und Helm besteigen würde, solltest du keinen Markt ohne Stopp-Loss betreten.

Welche Stopp-Taktiken angewendet werden können, will ich in einem anderen Artikel erläutern. Hier geht es mir jetzt um Folgendes:

Setze deinen Stopp-Loss BEVOR du in den Markt gehst und berechne dein daraus resultierendes Risiko PRO KONTRAKT.

Das ermöglicht dir, eine Antwort auf folgende zwei Fragen zu finden:

  1. Kann ich mir den Trade überhaupt leisten?

  2. Mit wieviel Kontrakten kann ich in den Markt eintreten?

Würde dein Risiko pro Trade, ermittelt anhand deines Stopp.Loss, dein maximales Risiko übersteigen, LASS DIE FINGER VOM TRADE !

Lege deinen Stopp-Loss fest und ermittle dein Risiko pro Kontrakt

Und im nächsten Schritt geht es um die zweite Frage:

3. Ermittle deine Positionsgröße

Das Risiko, das du anhand deines Stopp-Loss ermittelt hast, ist nun dein Risiko pro Kontrakt. Setze dieses jetzt in Relation zu deinem Maximalrisiko aus dem ersten Schritt und berechne, wieviel Kontrakte du handel kannst.

Beachte hierbei aber:

Ich spreche hier jetzt von einer Position. Solltest du gleichzeitig in mehreren Märkten engagiert sein, summiert sich natürlich das Risiko jedes einzelnen Marktes zu einem Gesamtrisiko! Und dieses Gesamtrisiko darf dein maximales Risiko nicht übersteigen!

Ermittle im dritten Schritt die Kontraktanzahl, mit der du in den Markt eintreten kannst

WAS BRINGT DIR DAS?

Catnapping!

Einen ruhigen Schlaf und (hoffentlich) süße Träume. Und die Gewissheit, dass dein Konto noch da ist, wenn du aufwachst. Und selbst WENN der Trade gegen dich laufen sollte bist du dir von vornherein darüber im Klaren, wieviel Verlust du realisieren musst.

4. Beziehe Korrelationen in deine Planung ein

Was heißt das? Beachte Korrelationen?

Es gibt Märkte die unmittelbar von einander abhängig sind. Wenn ein Rohstoff als Ausgangsstoff eines anderen dient, verlaufen beide Preise oft synchron. Nimm das Beispiel Rohöl (Crude-Oli) → Heizöl (Heating Oil) oder Benzin (RBOB Gasoline). Ein Preisanstieg im Rohöl wird mit ziemlicher Sicherheit immer einen Preisanstieg in den anderen Märkten nach sich ziehen.

Solche Abhängigkeiten sind manchmal nicht sofort ersichtlich. Deshalb ist es sinnvoll, sich etwas mehr Wissen über die Rohstoffe, mit denen man handelt, anzueignen.

Was der Mais- Kurs mit Lean Hogs (Magerschwein) zu tun? Wenn du weißt, dass rund 35% der Maisernte nicht als Cornflakes auf deinem Frühstückstisch landet sondern als Futtermittel Verwendung findet, kannst du verstehen, dass eine extreme Teuerung bei Mais (Corn) mit einer gewissen Verzögerung auch zu einem Preisanstieg auf den Fleischmärkten führen kann.

Du kannst die Korrelationen auch aus Tabellen, die im Netz frei verfügbar sind, ablesen. Nutze diese Informationsmöglichkeit!

Welche Vorteile bringt dir dieses Wissen jetzt ganz konkret?

Mit diesem Wissen kannst du “Ersatzmärkte” suchen, die “billiger” sind. Beispiel? Soja und Sojaöl korrelieren zu 80-90%. Die Margin bei Sojaöl beträgt (natürlich abhängig von deinem Broker!) aber etwa die Hälfte der Margin bei Soybeans. Und der Wert eines Ticks bei Sojaöl ist ebenfalls geringer als der bei Sojabohnen (was wiederum Auswirkungen auf dein Stopp-Loss Risiko hat).

Durch diese Überlegung kann es dir gelingen, bei Vorliegen eines Signals im Sojamarkt, der dir evtl. zu teuer für einen Trade ist, diesen Trade im korrelierenden Sojaöl einzugehen.

Berücksichtige Korrelationen, um günstigere Märkte zu finden

5. Nutze Korrelationen zur Diversifikation deines Portfolios

Und hier komme ich zurück auf das, was ich weiter oben im zweiten Schritt schon ausgeführt habe. Scrolle einfach noch einmal nach oben.

Und wie geht es jetzt weiter?

Die hier angesprochenen drei Schritte sind natürlich noch nicht alles. Aber es ist schon sehr viel! Sie bieten das theoretische Gerüst deiner Planung, quasi den philosophischen Unterbau. Du weißt jetzt, WAS du handeln wirst. Und über das WIE, die praktische “Handarbeit” dabei, werde ich meinem nächsten Beitrag schreiben.

 


Wie handle ICH Futures? Und welche Ergebnisse erziele ich damit? Schau dich HIER 🔻 UM:


„Catnapping“ — Bildquelle: Pixabay

5 Replies to “Der planvolle Handelsansatz (Teil 1)

  1. Lieber Kerl-Heinz,

    Danke für diesen Beitrag und deine Tipps !
    Ich suche derzeit auch nach einem guten Coach, darf ich daher fragen wer dein Coach war ?

    LG

  2. Vielen Dank für deine tolle Arbeit hier unf diesen Beitrag.
    Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Teil / Beitrag, der hoffentlich bald folgt.
    BTW: Wer war dein Coach am Anfang ?

    LG
    Derik

  3. Vielen Dank lieber Karl-Heinz für deine wie immer wertvollen Tipps und Ratschläge! Dein Erfolg macht uns – eine Gruppe von Tradern, die schon bitter Lehrgeld und auf falsche „Gurus“ reingefallen ist – sehr viel Mut und gibt und Zuversicht, es mit der richtigen Anwendung der COT-Daten, auch zu schaffen! Viele Grüsse Florian

    1. Danke Florian, für das Lob! Leider gibt es viel zu viele „Experten“ und „Profis“, die vor allem Neulinge und Einsteiger richtig über den tisch ziehen. Ich hatte da wirklich Glück, von Anfang an den Richtigen Coach zu erwischen.
      Alles Gute und noch viel Erfolg!
      KHR

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.