Wie ich meinem anderen Beitrag “FOREX oder Währungsfutures — Was solltest du traden?” angesprochen habe, ist das Trading von Währungen (“Foreign Exchanges” oder kurz FOREX bzw. FX) für viele Trader ein Begriff. Weniger bekannt ist die Möglichkeit, Währungsfutures, also Futures auf Grundlage dieser Währungen zu handeln.

In der Tat werden diese Currency-Futures täglich an der GLOBEX, der elektronischen Plattform der CME (Chicago Mercantile Exchange) gehandelt:

Abb. 1 : Kursnotierungen Währungsfutures
Abb. 1 : Kursnotierungen Währungsfutures (Ausschnitt)

 

Wie sind diese Notierungen nun zu lesen. Und wie ermittelst du deinen Gewinn oder Verlust bei einer Veränderung des Kurses? Das soll Gegenstand des folgenden Beitrags sein.

Die Kursnotierungen bei Währungsfutures

Währungsfutures werden nach „amerikanischem Maßstab“ gehandelt. Das heißt:

Der notierte Kurs eines Futures drückt letztlich den Preis für EINE EINHEIT der Fremdwährung in US-Dollars aus. Um die Bedeutung dieses Futurespreises zu verstehen, fragst du einfach:

„Wie viel US-Dollars kostet es, EINE Einheit der Fremdwährung, z.B. also EINEN EURO zu kaufen?“

Aus der obigen Tabelle ergibt sich also beispielsweise, dass 1 Britisches Pfund im März’21-Future (B6H21) 1US$ 36,82USct kostet.

Die Kurse der Währungsfutures werden in der Regel mit vier, manchmal auch mit fünf Nachkommastellen notiert. In Ausnahmefällen (z.B. Japanischer Yen in der Barchart-Tabelle oben) auch mal mit sechs Stellen nach dem Komma. Wirklich interessant für dich ist aber eigentlich die vierte Nachkommastelle.

Tick Value und Multiplier

Die vierte Stelle nach dem Komma stellt den Tick dar. Etwas verwirrend mag es sein, dass die CME vor einiger Zeit das notierte “Minimum Tick Value” für Japanischen Yen oder Euro auf ½ Tick festgesetzt hat. Hier kann also an der fünften Nachkommastelle eine 5 auftreten.

Uns interessiert dieser Umstand aber relativ wenig, für unser Berechnungen ausschlaggebend ist Nachkommastelle Nummer VIER.

Wir rechnest du jetzt mit diesem Wert?

In dem einführenden Artikel zum Thema Kursnotierungen (Rohstoffnotierungen verstehen: wie du Licht ins Dunkel der Preisberechnung bringst) habe ich erklärt, dass es am einfachsten ist, mit sogenannten Multiplikatoren, auch Multipliers genannt zu rechnen. Bei Währungsfutures entsprechen diese Multiplier dem Tick-Value des Futures. Die folgende Tabelle zeigt dir eine Übersicht über die häufigsten Währungsfutures.

(Beachte das US-Format der Zahlen mit Dezimalpunkt und 1000er-Trennzeichen Komma)

 

Fig. 2: Kontraktspezifikationen ausgewählter Futures
Abb. 2: Kontraktspezifikationen ausgewählter Futures

 

Wie nutzt du diese Information?

Nehmen wir an, du gehst beim Kurs von 0.7804 zwei Kontrakte Long im Canadian Dollar. Den Stop legst du auf den Wert bei 0.7600.

Du wirst exakt zu diesem Wert ausgestoppt. Wie groß ist dein Verlust?

0.7804 — 0.7600 =► 204 Ticks | 204 x Multiplier 10$ = 2040$ Verlust pro Kontrakt
entspricht
4080
$ Verlust der Position

 

Ein weiteres Beispiel

Am 29.01.2021 eröffnete der Schweizer Franken (S6H21) bei 1.1275 ; er schloss am 04.02.2021 bei 1.1071. Du warst drei Kontrakte Short im Markt. Berechne deinen Gewinn.

Abb. 3: Swiss Franc March’21
Abb. 3: Swiss Franc March’21 — TraderWorkstation

 

Anwendung bei der Bestimmung deiner Positionsgröße

Der Mexican Peso befindet sich in einem stabilen Aufwärtstrend. Er hat korrigiert und kehrt jetzt aus der Korrektur zurück.

Abb. 4: Bestimmung der Positionsgröße beim Mexican Peso
Abb. 4: Bestimmung der Positionsgröße beim Mexican Peso

 

Am 21.07. beschließt du, Long in den Markt einzusteigen. Du legst die Stop-Buy Order an das Hoch der Korrektur, deinen Stopp-Loss willst du an das Tief der Korrektur legen.

Welches Risiko pro Kontrakt ergibt sich aus dem Setup. Wie groß muss dein Konto mindestens sein, wenn du zwei Kontrakte bei einem Risiko von max. 2% handeln möchtest.

Die Auflösung gibt es demnächst. Bleib Dran!

Fazit

Die in diesem und vorausgegangenen Beiträgen behandelten Informationen zur Notierung von Futures werden sicherlich nicht dein Schicksal als Trader besiegeln. Wenn du jedoch nicht mit der Anwendung dieser grundlegenden Kontraktspezifikationen und den entsprechenden Risiken mit Gewinnen und Verlusten vertraut bist, hast du keine faire Chance am Markt.

Die Chancen für einen dauerhaft erfolgreichen Handel sind für den uninformierten Trader denkbar ungünstig. Du musst also unbedingt alles in deiner Macht stehende tun, um sie zu deinen Gunsten auszunutzen. Ich glaube, Übung und Erfahrung werden genau das ermöglichen.

Schließlich kann eine gute Ausbildung und die intensive Auseinandersetzung mit den „langweiligen Details“ unbedachte und emotionale Handelsentscheidungen verhindern, die dein hart verdientes Geld gefährden. Es ist wie bei einer Bergwanderung: jeder möchte die Aussicht vom Gipfel genießen, aber davor steht der schweisstreibende Aufstieg.

Und die Seilbahn ist im Trading dauerhaft außer Betrieb — auch wenn dir manche im WWW was anderes erzählen!

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Quellen: https://www.barchart.com/futures/currencies

 


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