Ein wesentlicher Faktor in der Entscheidungsfindung, welcher Markt gehandelt werden soll und welchen man als Trader besser vermeidet, ist die Frage der LIQUIDITÄT. Was verbirgt sich dahinter? 

Welche Bedeutung hat die Liquidität bei Rohstoffen?

Der ungehinderte Kauf oder Verkauf eines Vermögenswertes, ohne Preisverzerrung, auf einem Markt schafft die notwendigen Bedingungen für einen liquiden Vermögenswert. Liquidität tritt dann auf, wenn ein Vermögenswert ein hohes Maß an Handelsaktivität aufweist. Die Investition in liquide Anlagegüter ist im Allgemeinen sicherer als die Investition in illiquide Anlagen. Hier es leicht ist, Positionen zu eröffnen und wieder zu schließen. Bei Rohstoffen, die in der Regel volatiler sind als andere Anlageklassen, ist Liquidität für viele Anleger und Händler ein zentrales Anliegen.

Was sind Rohstoffe?

Die Welt der Rohstoffe stellt sich in unterschiedlichen Ebenen dar. Alles beginnt mit den physischen Rohstoffmärkten. Ein Barrel Öl, ein Barren Gold, eine LKW-Ladung Mais oder Sojabohnen, ein Sack Kaffee oder sogar ein Stück Vieh sind Beispiele für die physischen Grundprodukte, die im Mittelpunkt der Rohstoffmärkte stehen. Abgesehen von diesen physischen Vermögenswerten ist alles andere was gehandelt wird, ein Derivat – also ein Instrument mit einem Preis, der den Wert der zugrunde liegenden Ware widerspiegelt.

Der physische Rohstoffhandel findet in der Regel auf Rohstoffmärkten zwischen Produzenten, Händlern und den Endverbrauchern statt. Allerdings sind es die Derivatemärkte, in denen Spekulanten, Investoren, Arbitrageure und andere interessierte Parteien Liquidität in diese Vermögenswerte bringen.

Betrachten Sie die Rohstoffmärkte als eine Pyramide. Das Fundament bilden die Vermögenswerte selbst – darunter sind Derivate. Die nächste Stufe dieser Liquiditätspyramide ist der Over-the-Counter (OTC)-Markt. Forwards und Swaps sind im Prinzip Finanzinstrumente; sie können und dürfen jedoch auch eine physische Lieferung des Rohstoffs ermöglichen.

Pyramide der Rohstoffmärkte

Darüber in der Pyramide stehen die Futures- und Optionskontrakte, die an Börsen gehandelt werden. Diese Verträge ermöglichen es einer breiten und vielfältigen Gruppe von Marktteilnehmern, an den Preisbewegungen von Rohstoffen zu partizipieren. Die nächste Ebene der Pyramide besteht aus ETF- und ETN-Produkten, die die Preisschwankungen der Vermögenswerte, die sie im Grund darstellen, nachahmen sollen.

Was ist Liquidität bei Rohstoffen?

Im Rohstoffbereich bieten die verschiedenen Rohstoffe den Marktteilnehmern unterschiedliche Liquiditätsgrade. Die Untersuchung einiger der liquideren und weniger liquiden Rohstoffe und spezifischer Märkte wird uns helfen, das Konzept der Liquidität zu verstehen.

Edelmetalle

Das liquideste Edelmetall ist Gold. Gold ist das Edelmetall mit der größten Handelsaktivität. Gold wird auf dem physischen Markt und auf den OTC-Termin- und Swapmärkten gehandelt. Es gibt liquide Termin- und Optionskontrakte an Börsen sowie ETF- und ETN-Produkte auf dem Metall. Andere Edelmetalle verfügen über eine unterschiedliche Menge an Liquidität. Betrachten wir ein anderes Edelmetall, Rhodium. Rhodium wird nur auf dem physischen Markt gehandelt; daher ist Gold viel liquider als Rhodium, da es z.B. keine Rhodium-Futures gibt.

Energie

Das vielleicht liquideste und allgegenwärtigste Gut der Welt ist Rohöl. Ein weiterer Energieträger, Kohle, wird nicht in dem Maße oder mit so vielen Derivaten gehandelt wie Rohöl. Daher ist Rohöl liquider als Kohle.

Dies sind nur jeweils zwei Beispiele für Rohstoffe innerhalb desselben Sektors, die unterschiedliche Liquiditätsgrade aufweisen. Es gibt Beispiele in allen wichtigen Sektoren, einschließlich der Industriemetalle, Energien, Getreide, Softs oder Fleischmärkte. Um zwischen liquiden und nicht liquiden Rohstoffmärkten zu unterscheiden, sind bestimmte Anforderungen erforderlich, die einen Markt als liquide definieren. Diese Anforderungen umfassen im Allgemeinen die folgenden Merkmale:

  • Es muss ein aktiver Spot- oder Cash-Basismarkt für die physische Ware vorhanden sein.

  • Es muss ausreichend Käufer und Verkäufer geben – Hedger, Spekulanten, Investoren und andere.

  • Es muss einen offenen, transparenten und diskriminierungsfreien Handel geben.

  • Es muss eine genau definierte Beziehung zwischen dem Derivat und der physischen Ware bestehen.

  • Es muss einen Mechanismus zum Austausch der Barware und des Derivats geben.

  • Es sollte eine Konvergenz des Barpreises und der Preise erfolgen, die die zukünftige Lieferung im Zeitablauf widerspiegeln.

Warum ist Liquidität bei Rohstoffen wichtig?

Die Terminmärkte haben erfolgreich Liquidität angezogen, weil sie alle diese Eigenschaften erfüllen. Im Rohstoffbereich kann man die Liquidität bestimmter Terminprodukte messen, indem man das tägliche Handelsvolumen und das Open Interest, also die Anzahl der offenen, aber nicht geschlossenen Long- und Short-Positionen untersucht. Je höher Volumen und Open Interest, desto liquider ist der Markt.

Liquidität ist für alle Vermögenswerte, insbesondere für Rohstoffe, von Bedeutung. Liquidität sichert den Marktteilnehmern die Fähigkeit, problemlos zu kaufen und zu verkaufen. Dies zieht Spekulanten und Investoren in diesem Markt an. Ein illiquider Markt ist tendenziell viel volatiler als ein liquider. Das vielleicht wichtigste Merkmal der Liquidität ist, dass sie die Kosten für Handel oder Investitionen senkt.

Wenn du eine Investition in Rohstoffe oder andere Anlageklassen in Erwägung ziehst, solltest du sicherstellen, dass du liquide Instrumente wählst, so dass du problemlos und zu niedrigen Ausführungskosten kaufen und verkaufen kannst. Der Geld-/Brief-Spread auf einen Vermögenswert stellt die Kosten für den Kauf und Verkauf der Vermögenswerte dar. Er ist in liquiden Märkten enger, während er in weniger liquiden Märkten tendenziell viel breiter ist und die Ausführungskosten steigen lässt.

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