Long- und Short- Hedges

Im vorherigen Artikel habe ich ein Beispiel für einen Long Hedge, manchmal auch Buy Hedge genannt, aufgezeigt. Der Long Hedge ist die Methode des Käufers, sich gegen Preissteigerungen abzusichern.

Beabsichtigt ein Unternehmen den Kauf von Rohstoffen in nächster Zukunft und befürchtet einen Preisanstieg, kann es sich dagegen absichern, indem es am Terminmarkt Futureskontrakte kauft. Sollte zum Zeitpunkt des Rohstofferwerbs am Kassamarkt tatsächlich eine Preissteigerung eingetreten sein, kann es die entstandenen Mehraufwendungen ausgleichen, indem es die dann ebenfalls im Kurs gestiegenen Futures verkauft. Da der Preis des Futures den zugrunde liegenden Preis des Rohstoffs widerspiegelt, wird dieser ebenfalls im Kurs ansteigen und das Glattstellen der Position den finanziellen Mehraufwand schmälern.

Das Pendant hierzu ist der Short Hedge oder Sell Hedge. Ein Producer eines Rohstoffs befürchtet einen Preisverfall. So könnte ein Maisfarmer planen, seine Ernte, die im Augenblick noch auf dem Feld heranreift, an eine Raffinerie zu verkaufen. (In der Tat wird – entgegen der allgemeinen Annahme – der größte Teil der weltweiten Maisernte nicht zu Corn-Flakes verarbeitet sondern in Raffinerien zu Bio-Treibstoff umgewandelt).

Da zur Erntezeit der Markt für Mais ausreichend gesättigt sein dürfte, ist anzunehmen, dass die Verbraucherpreise sich nach unten bewegen dürften. Der Farmer geht jetzt am Terminmarkt Short, verkauft also Corn-Futures zum momentan höheren Kurs. Hat sich der Preis zur Erntezeit tatsächlich nach unten orientiert, stellt seine Futuresposition glatt indem er die dann ebenfalls im Preis gefallenen Kontrakte zurückkauft.

Ein Long Hedge dient dem Käufer zur Absicherung gegen Preissteigerungen, der Short Hedge sichert den Verkäufer gegen Preisverfall ab.

Hedging mit Financial Futures

Die vorherigen Beispiele veranschaulichen die Buy-and-Sell-Absicherung für eine Ware. Die gleichen Grundprinzipien gelten für die Finanzmärkte, wie die folgenden Beispiele zeigen.

  • Ein Unternehmen, das die Notwendigkeit eines Kredits in sechs Monaten sieht und sich in der Zwischenzeit Sorgen über steigende Kreditkosten macht, könnte durch den Verkauf von kurzfristigen Zinsfutures einen ungefähren festen Zinssatz festschreiben (z. B. Eurodollars). (Ein Anstieg der Zinssätze führt zu einem Preisrückgang bei Zinsinstrumenten.)

  • Ein Aktienportfoliomanager, der sich Sorgen über die Möglichkeit eines starken vorübergehenden Kurseinbruchs macht, könnte das Marktrisiko durch den Verkauf von Aktienindex-Futures (E-Mini S & P 500, E-Mini NASDAQ100, Russell 2000 Index Mini) verringern. Eine solche Maßnahme wäre weitaus kostengünstiger (d. h. sie würde viel geringere Provisionskosten verursachen) als die teilweise oder vollständige Auflösung seines Portfolios und die Wiederherstellung der Position zu einem späteren Zeitpunkt.

  • Ein U.S. Unternehmen, das weiß, dass es in drei Monaten 10 Millionen Euro benötigt, um eine Importtransaktion zu bezahlen, könnte den Wechselkurs durch den Kauf von Euro-Futures sichern.

Das Basisrisiko

Der Idealfall des Hedgings würde vorliegen, wenn sich der Preis eines Rohstoffs am Cashmarkt und der Kurs des darauf aufsetzenden Futures völlig synchron verhalten würden. Dies ist jedoch nicht der Fall (siehe das Beispiel des Goldankaufs im vorigen Beitrag). Das Verhältnis von Futurespreis zum Rohstoffpreis am Cashmarkt wird Basis genannt. In den obigen Beispielen bin ich von einer konstanten Basis ausgegangen, aber in Wirklichkeit kann sie sich jedoch ändern.

Wenn ein Short Hedger eine Verbreiterung der Basis erlebt, also wenn die Preise am Cashmarkt stärker gefallen sind als am Terminmarkt (entweder sind die Barmittel schneller gefallen oder sind langsamer gestiegen als die Futures), kann es zu einem Basisverlust kommen. Mit anderen Worten: der Verlust auf Seiten der Cash-Position des Short-Hedgers kann größer sein als der auf der Futures-Seite des Geschäfts realisierte Gewinn. Oder, wenn in einem steigenden Markt, der Gewinn auf der Cash-Seite der Transaktion nicht so groß ausfällt wie der Verlust auf der Futures-Seite.

Umgekehrt würde bei einer verbreiterten Basis auf einem Long Hedge ein Basisgewinn entstehen. Die Futures würden den Preis stärker als die liquiden Mittel erhöhen.

Andererseits ergibt eine sich verengende Basis zusätzliche Gewinne für ein Short Hedge (der Cash fällt weniger oder steigt mehr im Vergleich zu den Futures) und zusätzliche Verluste für ein Long Hedge (der Cash fällt weniger oder steigt mehr im Vergleich zu den Futures).

Der Hedger “tauscht” also gewissermaßen das Preisrisiko gegen das Basisrisiko ein. Dieses Basisrisiko ist jedoch wesentlich geringer als das Risiko realer Preisfluktuationen.

 

  Verbreiterte Basis Verengte Basis
  Cash-Kurs fällt schneller oder steigt langsamer als Futureskurs Cash-Kurs fällt langsamer oder steigt schneller als Futureskurs
Short-Hedge Basisverlust Basisgewinn
Long-Hedge Basisgewinn Basisverlust

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